Digitales Erbe - Was ist das genau und warum ist es wichtig?

Simon Sachseder, dpa

Digitales Erbe - Was ist das genau und warum ist es wichtig? - © Tobias Hase/dpa/Archivbild
Digitales Erbe - Was ist das genau und warum ist es wichtig? (© Tobias Hase/dpa/Archivbild)

Verbraucherschutzministerin Christine Lambrecht will Internetnutzern bei Fragen zu ihrem digitalen Erbe besser helfen. Den Brgern solle mehr Orientierung geboten werden, sagte die SPD-Politikerin mit Blick auf eine vom Ministerium gefrderte Studie. Die Untersuchung des Fraunhofer-Instituts fr Sichere Informationstechnologie, der Universitt Bremen und der Universitt Regensburg soll klren, was zum digitalen Nachlass gehrt, wie die Rechtslage aussieht und was Verbraucher jetzt schon tun knnen.

Was ist digitaler Nachlass beziehungsweise digitales Erbe?

In der Studie wird der digitale Nachlass als Gesamtheit des digitalen Vermgens definiert. Ein bekanntes Beispiel ist das Facebook-Konto. Zum digitalen Nachlass gehren aber auch elektronische Bcher oder heruntergeladene Musik. Auch Meilen bei der Fluggesellschaft, virtuelle Spielfiguren von Computerspielen oder Guthaben bei Zahlungsdienstleistern wie Paypal gehren in diese Kategorie. Dabei ist es egal, ob die Daten auf Cloud-Servern oder auf der eigenen Festplatte gespeichert sind. Die Autoren unterscheiden zwischenideellenWerten, wie Urlaubsbildern und Blog-Eintrgen, und finanziellen Werten wie elektronischen Bchern oder virtuellem Geld.

WassagendieGesetze?

Richter des Bundesgerichtshofs stellten 2018 klar: Auch digitale Inhalte werden vererbt. Grundlage dafr ist der Nutzungsvertrag, den der Verstorbene mit dem Anbieter geschlossen hat. Mit seinem Tod gehe dieser Vertrag auf die Erben ber. Sie haben deshalb das Recht, alle Kontoinhalte zu sehen - auch persnliche. Menschen, die in sozialen Netzwerken wie Facebook unterwegs sind, mssen sich demnach darauf einstellen, dass vertrauliche Nachrichten nicht auf ewig unter vier Augen bleiben. Der BGH begrndete seine Entscheidung damit, dass ein Anbieter wie Facebook Inhalte nicht an eine bestimmte Person, sondern nur an ein bestimmtes Konto bermittelt. Dass jemand mitliest, sei nie ausgeschlossen.

Wie sieht es in der Praxis aus?

Anders als etwa bei Immobilien, ist es bei digitalen Inhalten keine Selbstverstndlichkeit, dass die Erben sie bekommen. Oft liegen die Daten auf Cloud-Servern. Welche Daten herausgegeben werden, liegt erstmal bei den Anbietern. Die haben aber in ihren Allgemeinen Geschftsbedingungen (AGB) oft gar keine Regelung fr den Todesfall eines Nutzers. Laut der vorgestellten Studie ist das zum Beispiel beim Zahlungsdienstleister Paypal, beim Internettelefonie-Dienst Skype und der Spielekonsole Sony Playstation der Fall.

Die Vererbbarkeit eines Nutzerkontos in den AGBs komplett auszuschlieen, geht nach Einschtzung vieler Experten nicht. Allerdings knnen der Studie zufolge etwa Film- oder Musikdateien als Lizenz fr die Lebenszeit des Kufers verkauft werden.

Wie aktiv kmmern sich Brger um ihren digitalen Nachlass?

Zwei Drittel der Internetnutzer haben nicht vorgesorgt, wie aus einer Studie des Branchenverbandes Bitkom vom November vergangenen Jahres hervorgeht. Lediglich 13 Prozent der Nutzer regelten ihren digitalen Nachlass vollstndig. 18 Prozent kmmerten sich zumindest teilweise darum.

Fast drei Viertel der Befragten, die mindestens teilweise vorgesorgt hatten, haben ihre Zugangsdaten bei einer Vertrauensperson hinterlegt. Etwas mehr als die Hlfte hat eine Vollmacht gegenber der jeweiligen Plattform ausgestellt, jeder Vierte mit einem Testament vorgesorgt.

Was kann der Verbraucher tun?

Die Verbraucherzentrale empfiehlt, genau festzulegen, was mit den einzelnen Konten und Daten nach dem Tod passieren soll. Mit einer Vollmacht, die ber den Tod hinausgeht, kann dann eine Vertrauensperson dafr sorgen, dass die entsprechenden Daten zum Beispiel gelscht werden. Dem Verband zufolge ist dabei auch eine Liste mit allen Benutzerkonten und Passwrtern hilfreich, die an einem sicheren Ort deponiert werden kann. Zudem helfen manche Unternehmen bei der Klrung des digitalenNachlasses. Den Studienautoren zufolge knnen Nutzer zum Beispiel bei Google hinterlegen, wer Zugriff auf die Konten erhalten soll, wenn sie ber mehrere Monate nicht genutzt werden. (dpa)

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