Vermgen vererben ohne rger - Erbrechtsmythen im Faktencheck

Isabelle Modler, dpa

Vermgen vererben ohne rger - Erbrechtsmythen im Faktencheck - © Oliver Berg/dpa/dpa-tmn
Vermgen vererben ohne rger - Erbrechtsmythen im Faktencheck (© Oliver Berg/dpa/dpa-tmn)

Es knnte so einfach sein:Wer kein Testament aufsetzt, fr den greift die gesetzliche Erbfolge. Doch das Gesetz regelt den Nachlass nicht immer so, wie es sich Erblasser vorstellen. Zumal sich rund um das Thema Erben so manche Mythen hartnckig halten. Fnf typische Irrtmer - und was wirklich stimmt:

1. Erblasser sollten in jedem Fall ein Testament verfassen

Das ist nicht immer ntig. Wichtig ist, dass sich Erblasser die gesetzliche Erbfolge klarmachen - also wer welchen Anteil erbt. Wenn diese im Sinne des Erblassers ist und sich die Gter klar aufteilen lassen, braucht man kein Testament, sagt Stephanie Herzog von der Arbeitsgemeinschaft Erbrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV).

Eigentmer von Immobilien sollten aber bedenken: Der Grundgedanke der gesetzlichen Erbfolge beinhaltet, Vermgenswerte aufzulsen. Das heit, das Haus zu verkaufen und das Geld entsprechend der Erbquote auf die Berechtigten zu verteilen. Wer dies nicht wnscht, sollte das Erbe nach seinen eigenen Vorstellungen aufteilen - also ein Testament machen, rt Herzog.

Laut Stiftung Warentest kann es sogar gnstiger sein, wenn der Notar das Testament erstellt und Erben daher spter keinen Erbschein beantragen mssen. Die Gebhren hngen vom Vermgen ab. So koste das Erbscheinverfahren bei einem Nachlasswert von 50 000 Euro rund 330 Euro. Der Notar erhlt fr ein Einzeltestament laut der Warentester etwa 165 Euro zuzglich Auslagen und Umsatzsteuer.

2. Mein Partner erbt automatisch mein ganzes Vermgen

Das gilt laut Stiftung Warentest nur, wenn man seinen Partner als Alleinerben im Testament benennt. Sonst greift die gesetzliche Erbfolge. Bei einem verheirateten Paar mit zwei Kindern steht dem Ehepartner die Hlfte des Vermgens zu und den Kindern jeweils ein Viertel, erklrt Herzog. Haben Ehepartner vertraglich eine Gtertrennung vereinbart, bekommen die beiden Kinder und der verbliebene Partner je ein Drittel des Nachlasses.

Bei Partnern, die gemeinsame sowie eigene Kinder haben, ist der Fall komplizierter. Wer was erbt, hngt dann auch davon ab, welches Elternteil zuerst verstirbt. Daher sollte man sich in einem solchen Fall rechtlichen Rat holen, rt Herzog. Sonst droht etwa Folgendes: Das Ehepaar hat drei Kinder, davon ein gemeinsames sowie zwei jeweils eigene. Stirbt der Vater zuerst, bekommen sein eigenes Kind sowie das gemeinsame Kind jeweils ein Viertel des Vermgens. Das Kind, das die Mutter mit einem anderen Partner bekommen hat, ginge leer aus.

Ehepaare ohne Kinder, ohne Ehevertrag und ohne Testament mssen wissen, dass der Partner meist nur drei Viertel des Vermgens erhlt. Bei dieser Konstellation steht ein Viertel den Eltern des Verstorbenen oder dessen Geschwistern zu, sagt Herzog.

brigens: Ist ein Paar nicht verheiratet, erbt der Partner ohne Testament oder Erbvertrag gar nichts. Auch wenn sie vielleicht ber 30 Jahre zusammengelebt haben, warnt die Rechtsanwltin. Und sogar mit Testament gilt: Steuerfrei erhlt der Partner nur 20 000 Euro - whrend Ehepartnern oder eingetragenen Lebenspartnern ein Freibetrag von 500 000 Euro zusteht. Laut Stiftung Warentest gelten fr Paare ohne Trauschein zudem die hchsten Steuerstze von 30 bis 50 Prozent. Also heiraten Sie doch einfach in Gottes Namen, rt Herzog.

3. Die Kinder wurden enterbt, sie erhalten also nichts vom Nachlass

Das ist Unsinn. Enterbte Kinder drfen sich zwar nicht um den Nachlass kmmern oder bei der Aufteilung mitbestimmen. Sie knnen aber ihren Pflichtteil einfordern. Denn ihnen steht auf jeden Fall die Hlfte des gesetzlichen Erbteils zu, erklrt Herzog. Die anderen Erben mssen diesen Pflichtteil ausbezahlen. Den Anspruch muss man innerhalb von drei Jahren geltend machen. Betroffene sollten sich zunchst an die Erbengemeinschaft wenden. Pflichtteilsberechtigte haben einen Auskunftsanspruch, erklrt Herzog.

4. Das Nachlassgericht kmmert sich um die Aufteilung des Erbes

Das stimmt so nicht. Zwar muss man ein Testament oder Erbvertrag dem Nachlassgericht vorlegen. Doch es ist nicht dafr zustndig, den Nachlass abzuwickeln oder Streit zwischen Erben oder Pflichtteilsberechtigten zu schlichten. Wer etwas erbt, trgt Verantwortung und muss sich um den Nachlass kmmern, sagt Herzog. Dazu gehrt es, Verbindlichkeiten herauszufinden, offene Rechnungen zu begleichen oder die Wohnung des Verstorbenen aufzulsen.

Auch ein Testamentsvollstrecker sei nicht zwingend notwendig, sagt Herzog. Doch wer davon ausgeht, dass die Erben es alleine nicht auf die Reihe bekommen, das Vermgen entsprechend den Vorstellungen des Erblassers aufzuteilen, etwa weil die Familie zerstritten ist, sollte darber nachdenken. Allerdings kostet sein Einsatz Geld.

5. Bei Schulden sollte man das Erbe auf jedem Fall ausschlagen

Nicht unbedingt. Wer das Erbe ausschlgt, erfhrt weder etwas ber den Nachlass, noch was damit passiert, sagt Herzog. Sollte unerwartet doch ein Vermgen auftauchen, knnen Angehrige nicht einfach die Ausschlagung zurcknehmen. Unter bestimmten Umstnden kann es sinnvoller sein, die Haftung auf den Nachlass anderweitig zu beschrnken. Beides hat Vor- und Nachteile, sagt Herzog.

Laut Brgerlichem Gesetzbuch (BGB, Paragraf 1967) haften Erben fr Nachlassverbindlichkeiten. Damit Angehrige nicht mit ihrem eigenen Vermgen Schulden begleichen mssen, sollten sie sich vom Fachanwalt beraten lassen, was sinnvoll ist - und zwar innerhalb der sechswchigen Frist, in der sie das Erbe ausschlagen drfen.

Laut BGB mssen Erben die Kosten der Beerdigung tragen (Paragraf 1968). Auch wenn man das Erbe ausschlgt, muss man unter Umstnden dafr aufkommen. Das gilt insbesondere, wenn man der nchste Angehrige und entsprechend zahlungsfhig ist, whrend der Nachlass nicht entsprechende Mittel bereithlt, erklrt Herzog. (dpa)

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