Alles fr den Partner? - So regeln kinderlose Ehepaare ihr Erbe

SABINE MEUTER, dpa

Alles fr den Partner? - So regeln kinderlose Ehepaare ihr Erbe - © Christin Klose/dpa-tmn
Alles fr den Partner? - So regeln kinderlose Ehepaare ihr Erbe (© Christin Klose/dpa-tmn)

Der Irrtum ist weit verbreitet: Viele kinderlose Ehepaare glauben, dass beim Tod des einen Partners der andere automatisch Alleinerbe ist. Doch das ist nicht automatisch so.

Wenn Ehepaare sich nicht gegenseitig abgesichert haben und dies nicht entsprechend hinterlegt ist, greift die gesetzliche Erbfolge. Das bedeutet, dass nicht nur der Partner, sondern auch die Eltern des Verstorbenen Ansprche auf das Vermgen geltend machen knnen, sagt Paul Grtsch, Fachanwalt fr Erbrecht in Mnchen und Geschftsfhrer des Deutschen Forums fr Erbrecht. Sollten die Eltern bereits verstorben sein, knnen auch Geschwister, Nichten und Neffen erben.

Kinderlose Ehepaare, die sicherstellen wollen, dass im Todesfall des einen Partners der Hinterbliebene das gemeinsame Vermgen bekommt, sollten daher ein Testament abfassen. Allerdings knnen auch dann die Eltern des Verstorbenen einen Pflichtteil am Erben einfordern. Aber auch das lsst sich umgehen, erklrt Grtsch: Erblasser knnen mitdenEltern einen sogenannten Pflichtteilsverzicht per Vertrag vereinbaren. Dieses Schriftstck muss ein Notar beurkunden.

Gleichzeitig sollten sich Eheleute Gedanken machen, was mit dem Vermgen nach dem Tod des Lngerlebenden passieren soll, empfiehlt Prof. Andreas Frieser, Fachanwalt fr Erbrecht in Bonn.

Eine Option knnte zum Beispiel sein festzulegen, dass nach dem Tod des Lngerlebenden ein namentlich genannter Verwandter erben soll. Bei dieser Variante sollten Eheleute jedoch beachten, dass der Lngerlebende eine solche testamentarische Klausel nicht ohne Weiteres widerrufen kann. Gibt es eines Tages etwa Streit zwischen dem lngerlebenden Ehepartner und dem im Testament namentlich genannten Verwandten, sollte klar sein, ob der Lngerlebenden diesen enterben kann oder an die gemeinsam mit seinem Partner getroffenen Regelungen gebunden ist, erlutert Frieser, der auch Vorsitzender des Ausschusses Erbrecht im Deutschen Anwaltverein ist.

Um Streit zu vermeiden, sollten die Eheleute von vornherein im Testament festlegen, ob eine Bindung gewnscht ist oder der Lngerlebende frei entscheiden kann, wer nach seinem Tod erben soll.

Generell knnen kinderlose Ehepaare zwei Einzeltestamente abfassen oder auch ein Gemeinschaftstestament. Das ist ohne weiteres auch eigenhndig geschrieben mglich, sagt Eberhard Rott, Fachanwalt fr Erbrecht in Bonn und Vorstandsvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Testamentsvollstreckung und Vermgensvorsorge.

Eine weitere Option: Zum Erben wird eine gemeinntzige Organisation bestimmt. Dabei sollte man aber nichtdenFehler machen, einfach eine Organisation, an die alles gehen soll, im Testament zu benennen, ohne sich vorher mit ihr ber diesen Schritt abgestimmt zu haben, rt Rott. Grere gemeinntzige Organisationen verfgen hufig ber eigene Abteilungen, die sich um das Management von Erbschaften kmmern, erklrt Frieser. Gemeinsam mit diesen Abteilungen knnten Eheleute ausloten, ob sie sich als Gegenleistung im Todesfall etwa um die Haushaltsauflsung oder um die Betreuung eines Hundes kmmern.

Zurck zu der Konstellation, dass Verwandte oder auch Freunde des kinderlosen Ehepaares nach dem Tod des Lngerlebenden erben sollen. Dieser Fall sollte aus steuerrechtlichen Grnden sehr sorgfltig geplant werden, empfiehlt Grtsch. Der Grund:Fr entferntere Angehrige und fr Erben, mit denen die Erblasser gar nicht verwandt sind, gelten niedrige Freibetrge und die Erbschaftssteuerklassen II und III mit Steuerstzen von bis zu 50 Prozent. (dpa/tmn)

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