Mein letzter Wille: Auch Alleinerziehende brauchen ein Testament

SABINE MEUTER

Den Tod verstehen - Was trauernde Kinder wirklich brauchen - © Matthias Hiekel (dpa-Zentralbild)
Den Tod verstehen - Was trauernde Kinder wirklich brauchen (© Matthias Hiekel (dpa-Zentralbild))

WereinTestamenthat, sorgt fr den schlimmsten Fall vor. Nicht zuletztAlleinerziehendemit minderjhrigen Kindern sollten das Abfassen ihres letzten Willens nicht vor sich herschieben. Denn: Ist der Nachlass nicht klar und eindeutig geregelt, besteht die Gefahr, dass die Dinge einen Verlauf nehmen, der nicht im Sinne des oder der Verstorbenen gewesen wre.

So knnte etwa, wenn es keinTestamentgibt und die Kinder noch minderjhrig sind, der geschiedene Ehegatte Einfluss auf die Erbschaft nehmen sagt der Bonner Fachanwalt fr Erbrecht, Eberhard Rott. Generell erben beim Tod eines oder einer Alleinerziehenden ausschlielich die Kinder. Gibt es davon mehrere, erben sie zu gleichen Teilen.

Sind die Kinder minderjhrig, wird das geerbte Vermgen von dem anderen Elternteil verwaltet, bis das Kind oder die Kinder volljhrig sind - vorausgesetzt, die Eltern waren bis zum Erbfall gemeinsam sorgeberechtigt fr ihren Nachwuchs. Weil eine solche Zugriffsmglichkeit des ehemaligen Partners auf das Vermgen hufig nicht gewnscht ist, fhrt frAlleinerziehendekein Weg an einemTestamentvorbei, erklrt Martin Thelen von der Bundesnotarkammer in Berlin.

Vertrauenspersonen im Vorfeld festlegen

So kann etwa perTestamentdem anderen Elternteil das Recht, das Vermgen der minderjhrigen Kinder zu verwalten, entzogen und stattdessen eine Person des Vertrauens als sogenannter Pfleger benannt werden. Eine solche Festlegung imTestamentist rechtlich bindend, sagt Thelen. HateinAlleinerziehender das alleinige Sorgerecht fr seine minderjhrigen Kinder, kann er imTestamentfestlegen, wer nach seinem Tod der Vormund fr die Kinder sein soll.

Fehlt eine solche Festlegung imTestament, muss zumeist das Familiengericht einen Vormund bestimmen, so Rott. Das ist dann nicht unbedingt jemand, der oder die den Vorstellungen des Verstorbenen entsprochen htte. In einemTestamentknnenAlleinerziehendeauchbestimmen, wer ber den anderen Elternteil hinaus auf keinen Fall das Vermgen fr die Kinder verwalten oder als Vormund agieren soll.

Wasauchmglich ist: Neben dem Pfleger oder Vormund eine Vertrauensperson als Testamentsvollstrecker einsetzen, erklrt Rott, der Vorstandsvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Testamentsvollstreckung und Vermgensvorsorge ist. Der Pfleger oder Vormund kmmert sich dann um persnliche Dinge der Kinder, der Testamentsvollstrecker regelt die finanzielle Seite und verwaltet das Vermgen fr die Minderjhrigen.

Testamentsvollstrecker muss kein Experte sein

Der Testamentsvollstrecker ist so lange aktiv, bis die Kinder selbst verantwortungsvoll mit dem geerbten Vermgen umgehen knnen. Die Testamentsvollstreckung kann, anders als die Pflegschaft, zeitlich lnger, etwa bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres oder darber hinaus, angeordnet werden, sagt Thelen. Einen Testamentsvollstrecker zu benennen, bietet sich aus Sicht von Rottauchan, wenn von mehreren Kindern eins schon volljhrig undeinanderes noch minderjhrig ist.

Der Testamentsvollstrecker sorgt dafr, dass das Erbe genau so verteilt wird, wie es der Verstorbene in seinem letzten Willen festgelegt hat. Dafr kommt brigens jeder Erwachsene infrage, der geschftsfhig ist und nicht unter Vermgensbetreuung steht - es muss also kein Jurist oder Vermgensverwalter sein. Braucht man wegen eines groen Vermgens dagegen etwa einen Experten, der sich mit Steuern auskennt, hilft Rotts Arbeitsgemeinschaft bei der Suche.

Damit der letzte Wille des oder der Verstorbenen bercksichtigt wird, musseinTestamentformwirksam sein. Das heit: Es ist mit eigener Hand geschrieben und unterschrieben,auchOrt und Datum sollten nicht fehlen. Da beim Abfassen des Testaments einige Fehler unterlaufen knnen, sollten Erblasser rechtlichen Rat einholen - etwa bei einem auf Erbrecht spezialisierten Fachanwalt oder bei einem Notar.

Nacherbschaft schliet Ex-Partner aus

Folgenden Fall solltenAlleinerziehendeebenfalls bedenken: Angenommen, einealleinerziehendeMutter stirbt. Sie hinterlsst drei Kinder. Sollte zu einem spteren Zeitpunkt eins dieser Kinder ohne eigene Nachkommen sterben, erbt der ehemalige Partner der einst alleinerziehenden Mutter.

Das ist in aller Regel nicht gewollt, sagt Thelen. Um das zu verhindern, kann die Frau in ihremTestamenteine sogenannte Nacherbschaft anordnen. Das funktioniert so: Die Frau bestimmt ihre Kinder perTestamentlediglich als Vorerben und legt zugleich fest, wer nach ihrem Tod jeweils Nacherbe sein soll.

Aus Sicht von Thelen spricht einiges dafr, dass Erblasser ihren letzten Willen nicht handschriftlich hinterlassen, sonderneinnotariellesTestamenterrichten: Das hat neben der Beratungsleistung des Notars den Vorteil, dass die Erben keinen Erbschein bentigen. Den mssen die Kinder oder ihre Vertreter sonst beantragen, damit sie auf das Bankkonto und das sonstige Vermgen des Verstorbenen zugreifen knnen.

Einsolcher Erbschein kostet allerdings zum einen Geld, zum anderenauchZeit, und zwar einige Wochen, manchmalauchlnger. Beides knnten Erblasser ihren Hinterbliebenen mit einem notariellenTestamentersparen. (dpa/tmn)

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