Nach dem Tod kommt der Fiskus: Wissenswertes zur Erbschaftsteuer

SABINE MEUTER

Nach dem Tod kommt der Fiskus: Wissenswertes zur Erbschaftsteuer - © Jens Bttner/dpa-Zentralbild/dpa-tmn
Nach dem Tod kommt der Fiskus: Wissenswertes zur Erbschaftsteuer (© Jens Bttner/dpa-Zentralbild/dpa-tmn)

Nach dem Tod eines Menschen bekommen die Hinterbliebenen sein Hab und Gut.Erbschaftsteuerwird dabei nicht immer fllig. Wichtige Fragen und Antworten zum Thema:

Was verbirgt sich hinter derErbschaftsteuer?

Erben und Vererben ist in Deutschland keine reine Privatsache. Der Gesetzgeber gibt die Regeln vor - und zwar mit demErbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz (ErbStG). Erbschaft definieren Juristen als einen Erwerb von Todes wegen. Wer als gesetzlicher Erbe erbt oder per Testament als Begnstigter eingesetzt wird, muss auf das geerbte Vermgen grundstzlichErbschaftsteuerzahlen. Das setzt voraus, dass der Betroffene die Erbschaft auch annimmt.

Steuerrechtlich spielt es keine Rolle, ob etwas durch Erbschaft, durch Vermchtnis, aufgrund eines Pflichtteilsrechts oder durch Schenkung erworben wird, sagt Anton Steiner, Fachanwalt fr Erbrecht in Mnchen. Bei einer sogenannten Schenkung auf den Todesfall etwa macht der Erblasser zu seinen Lebzeiten ein Geschenk, von dem der Begnstigte aber erst nach dessen Tod Eigentmer wird. Auf den Vermgenszuwachs, der mit dem Geschenk verbunden ist, wird schlielichErbschaftsteuerfllig.

Gibt es Freibetrge?

Ja - und zwar egal, ob es sich dabei um eine Erbschaft, ein Vermchtnis, einen Pflichtteil oder eine Schenkung handelt. Das bedeutet, erst wenn der Betrag eine bestimmte Hhe berschreitet, sind berhaupt Steuern fllig. Der Steuerfreibetrag ist umso hher, je enger die verwandtschaftliche Beziehung ist, sagt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler Deutschland. Ehepartner knnen bis zu 500000 Euro erben, ohneErbschaftsteuerzahlen zu mssen. Kinder knnen 400000 Euro steuerfrei erhalten - und zwar von jedem Elternteil. Groeltern knnen ihren Enkeln 200000 Euro berlassen, ohne dass der Fiskus zugreift. Geschwistern, Nichten, Neffen und Lebensgefhrten steht ein Freibetrag von 20000 Euro zu.

Wann wird dieErbschaftsteuerfllig?

Ob Erb-, Vermchtnis-, Pflichtteilsfall oder Schenkung: Die Begnstigten stehen in der Pflicht, das ihnen zugefallene Vermgen dem Finanzamt anzuzeigen, erklrt der Bonner Fachanwalt fr Erb- und Steuerrecht, Eberhard Rott. Dafr haben die Erben drei Monate ab dem Todestag Zeit. In vielen Fllen ist der Fiskus auch schon ber das Standesamt, das Nachlassgericht oder von Banken und Versicherungen informiert. Liegt das Vermgen ber dem jeweiligen Freibetrag, dann fordert das Finanzamt die Abgabe einer Erbschaftsteuererklrung. Die Steuer sei erst zu dem im Steuerbescheid genannten Termin zu zahlen, sagt Rott.

Wie wird die Steuerhhe ermittelt?

Nach Abzug des jeweiligen Freibetrags muss der Wert des Erbes versteuert werden. Auch hier gilt: Je enger die verwandtschaftliche Beziehung ist, desto weniger Steuern werden fllig. Es gibt drei verschiedene Steuerklassen. Am gnstigsten ist der Steuersatz in Steuerklasse eins, zu der Eheleute und eingetragene Lebenspartner, Eltern, Kinder und deren direkte Nachkommen zhlen. Entscheidend ist hier die Hhe des steuerpflichtigen Erwerbs. Das ist jene Summe, die nach Abzug des jeweiligen Freibetrags brig bleibt. Liegt sie unter 75000 Euro, gilt in der Steuerklasse eins der niedrigste Satz. Der betrage sieben Prozent, erklrt Rott. Dieser Satz steigert sich nach der jeweiligen Vermgenshhe in sieben Stufen bis hin zu 30 Prozent. Ein solcher Steuersatz wird in Steuerklasse eins erst bei einem Vermgen von ber 26 Millionen Euro erreicht, sagt der Anwalt.

Geschwister, deren Kinder, Schwiegerkinder und -eltern sowie geschiedene Partner gehrenzurSteuerklasse zwei. Hier liegt der niedrigste Steuersatz bei 15 Prozent und erhht sich bis auf 43 Prozent.ZurSteuerklasse drei zhlen alle brigen Personen - das knnen entferntere Verwandte, Lebensgefhrten oder Freunde sein. Der niedrigste Steuersatz betrgt 30 Prozent und steigert sich je nach Vermgenswert bis auf 50 Prozent.

Welche steuerlichen Besonderheiten gelten bei Immobilien?

Selbstgenutztes Wohneigentum bleibt unter bestimmten Voraussetzungen steuerfrei, sagt Steiner, der auch Prsident des Deutschen Forums fr Erbrecht ist. KeineErbschaftsteuerfllt an, wenn der Erbe die Nachlassimmobilie zehn Jahre lang nicht verkauft, vermietet oder verpachtet - sondern selbst bewohnt. Vollumfnglich gilt dies jedoch nur fr erbende Ehe- oder eingetragene Lebenspartner, so Steiner. Bei Kindern sowie - im Fall deren Todes - ihren Kindern wiederum wird die Steuerbefreiung auf eine Wohnflche von 200 Quadratmetern begrenzt. Fr andere Erben gibt es keine Steuerbefreiung.

Wie lsst sichErbschaftsteuersparen?

Durch Schenkungen zu Lebzeiten, sagt Rott. Im Gegensatz zu Erbschaften knnen bei Schenkungen die Steuerfreibetrge alle zehn Jahre aufs Neue ausgeschpft werden. Hat beispielsweise eine Mutter ihrem Sohn im Jahr 2008 einen Betrag von 400 000 Euro geschenkt, muss er keine Steuern zahlen. Zehn Jahre spter, im Jahr 2018, kann die Mutter ihm erneut 400 000 Euro schenken, ohne dass Abgaben anfallen. Je frhzeitiger jemand damit beginnt, sein Vermgen aufzuteilen und in Abstnden von zehn Jahren an seine Nachkommen weiterzugeben, desto eher sorgt er dafr, dass sie im Ergebnis keine Steuern zahlen mssen. Rott: Von Vorteil ist das vor allem bei sehr groen Vermgen. Auch eine Adoption oder eine Heirat knnen helfen.

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