Nachweis bitte! Wann und wofr Erben einen Erbschein bentigen

SABINE MEUTER

Tod im Ausland: Was erbrechtlich zu beachten ist - © Oliver Berg/dpa/dpa-tmn
Tod im Ausland: Was erbrechtlich zu beachten ist (© Oliver Berg/dpa/dpa-tmn)

Nach dem Tod eines Angehrigen trotz Trauer rational denken und handeln: Fr viele Hinterbliebene ist dies vor allem in der Anfangsphase alles andere als einfach.

Doch irgendwann kommt der Zeitpunkt, sich um den Nachlass zu kmmern. Dann mssen Angehrige Konten, die Wohnung sowie Vertrge des Verstorbenen aufzulsen. Das drfen selbstredend nur dieErben. Um sich als solche etwa gegenber Banken, Behrden und Vermietern auszuweisen,bentigenHinterbliebene ofteinenErbschein.

In dem amtlichen Dokument steht, wer Erbe ist und wie gro sein Erbteil ist. Hufig sind es vor allem Banken, dieeinenErbscheinfordern.

Erbscheinschriftlich oder mndlich beantragen

Hinterbliebene knnen denErbscheinbeim Notar oder Nachlassgericht beantragen - also beim Amtsgericht am letzten Wohnort des Verstorbenen. Das ist schriftlich mglich. Oder sie gehen persnlich zum Gericht und erklren es mndlich. Ein Rechtspfleger erstellt dann ber das Gesagte ein Protokoll, sagt Anton Steiner, Fachanwalt in Mnchen sowie Prsident des Deutschen Forums fr Erbrecht.

Erbenknnen den Antrag gemeinsam oder einzeln stellen. Neben dem Antrag mssen sie den Personalausweis, die Sterbeurkunde des Verstorbenen sowie die Geburts- und Sterbeurkunden allerErbenvorlegen - entweder im Original oder in beglaubigter Abschrift.

In beiden Fllen, beim Gericht und beim Notar, mssenErbenan Eides statt versichern, dass die Angaben nach ihrem Dafrhalten der Wahrheit entsprechen. Das Nachlassgericht berprft die Angaben.

Wenn alles glatt geht und das Gericht keine Nachfragen hat, dauert einErbschein-Verfahren im Schnitt vier bis fnf Wochen", erklrt Eberhard Rott, Fachanwalt fr Erbrecht in Bonn sowie Vorstandsvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Testamentsvollstreckung und Vermgensvorsorge.

Die Kosten sind abhngig vom Nachlasswert

EinErbscheinkostet Geld. Die Hhe der Gebhren hngt vom Wert des Nachlasses ab. Details dazu finden Angehrige in der Gebhrentabelle Bzum Gerichts- und Notarkostengesetz.

Einige Beispiele: Bei einem Nachlasswert von 50000 Euro liegt die Gebhr fr die Erteilung des Erbscheins bei 165 Euro. Hinzu kommen weitere 165 Euro fr die eidesstattliche Versicherung, macht insgesamt 330 Euro. Wer 200000 Euro erbt, zahlt fr denErbscheinrund 870 Euro. Bei einem Nachlass von einer Million Euro liegen die Kosten fr denErbscheinetwa bei 3470 Euro.

Gehren Grundstcke zum Nachlasses, mssenErbenderen Verkehrswert angeben. Ist dieser nicht bekannt, ist der Bodenrichtwert der Stadt oder Gemeinde mageblich. Bei vermieteten Immobilien mssenErbenden Ertragswert angeben, wenn sieeinenErbscheinbeantragen.

Fr Hinterbliebene, die denErbscheinbereinenNotar beantragen, wird es meist teurer. Der Notar muss im Gegensatz zum Gericht die Mehrwertsteuer auf seine Gebhren berechnen, erklrt Steiner. Der Vorteil: Der Notar kmmert sich um den Antrag.

Alternativen zumErbschein

Nicht immer brauchen HinterbliebeneeinenErbschein. Das ist der Fall, wenn sie sich beispielsweise durch ein notarielles Testament alsErbenausweisen knnen, sagt Rott.

Um sich etwa gegenber Banken oder Behrden alsErbenzu legitimieren, kann aber genauso ein Erbvertrag in Verbindung mit dem gerichtlichen Erffnungsprotokoll gengen.

Auch die beglaubigte Abschrift eines handschriftlichen Testaments mit Erffnungsvermerk kann ausreichen, um von Dritten als Erbe anerkannt zu werden, urteilte der Bundesgerichtshof (Az.: XI ZR 440/15).

Das Nachlassgericht kann erteilte Erbscheine wieder einziehen

Das Nachlassgericht kanneinenbereits erteiltenErbscheinwieder einziehen. Das ist der Fall, wenn sich spter herausstellt, dass ein Dokument die falsche Person als Erbe ausweist. Das ist zum Beispiel mglich, wenn eines Tages ein jngeres gltiges Testament auftaucht, das eine andere Erbfolge vorsieht, erlutert Rott.

Das geht aber keinesfalls zulasten gutglubiger Dritter. Ein Beispiel: Jemand kauft von einem anderen, der demErbscheinzufolge der Erbe ist, ein Kunstwerk des Verstorbenen. Der rechtmige Erbe kann das Kunstwerk nicht zurckverlangen. Aber er bekommt vom unrechtmigen Erbe das Geld wieder, das dieser fr das Kunstwerk bekommen hat, erklrt Rott. (dpa/tmn)

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