Schenken statt vererben - Wie Vermgen den Besitzer wechseln kann

SABINE MEUTER

Schenken statt vererben - Wie Vermgen den Besitzer wechseln kann - © Marijan Murat/dpa
Schenken statt vererben - Wie Vermgen den Besitzer wechseln kann (© Marijan Murat/dpa)

Schenken oder vererben? Diese Frage bewegt viele mit zunehmendem Alter. Grundstzlich spricht viel dafr, zu Lebzeiten seinVermgenandenEhepartner, an Kinder oder an andere nahe Verwandte weiterzugeben. Zum einen winken hohe Steuerfreibetrge, die bei frhzeitigem Beginn des Verschenkens mehrfach ausgeschpft werden knnen. Zum anderen behlt der Schenkende bei der Verteilung seines Vermgens die Zgel in der Hand undkannvermeiden, dass nach seinem Tod unterdenErben Streit ausbricht.

Mit dem Verschenken von Geld knnen Eltern ihre Kinder in die Lage versetzen, ein Eigenheim zu erwerben oder sich eine Existenz aufzubauen, sagt Wolfram Theiss, Spezialist fr Erbschaft- und Schenkungsteuerrecht in Mnchen. Er ist Vorsitzender Arbeitsgemeinschaft Erbrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV). Diese finanzielle Zuwendung seitens der Eltern knnen Kinder im Alter von um die 30 Jahre hufig besser gebrauchen, als wenn sie Jahrzehnte spter bers Erben zu dem Geld kommen. Die Eltern knnen so dafr sorgen, dass unliebsame Verwandte beim Erben leer ausgehen.

Gesetzliche Freibetrge nutzen

Egal, ob Erbschaften oder Schenkungen: In beiden Fllen gibt es steuerliche Freibetrge. Das heit, erst wenn der Betrag eine bestimmte Hhe berschreitet, mssen Steuern gezahlt werden. Der Steuerfreibetrag ist umso hher, je enger die verwandtschaftliche Beziehung ist, erlutert Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler.

Ehepartner knnen bis zu 500000 Euro erben, ohne dass Steuern fllig werden. Kinder knnen 400000 Euro steuerfrei erhalten - und zwar von jedem Elternteil. Groeltern knnen ihren Enkelkindern 200000 Euro berlassen, ohne dass der Fiskus zugreift. Auch fr Geschwister, Nichten, Neffen und Lebensgefhrten gibt es einen steuerlichen Freibetrag: Er liegt bei 20000 Euro.

Alle zehn Jahre kann erneut geschenkt werden

Zwischen Erbschaften und Schenkungen gibt es aber einen wesentlichen Unterschied: Im Gegensatz zu Erbschaften knnen bei Schenkungen die Steuerfreibetrge alle zehn Jahre aufs Neue ausgeschpft werden, erlutert Klocke. Hat beispielsweise ein Vater seiner Tochter im Jahr 2017 einen Betrag von 400000 Euro geschenkt, muss sie keine Steuern zahlen; der Vaterkannzehn Jahre spter der Tochter wieder 400000 Euro schenken, ohne dass Abgaben anfallen.

Wer also frhzeitig damit beginnt, seinVermgenzu verteilen und in Abstnden von zehn Jahren an seine Nachkommen weitergibt, sorgt dafr, dass die Begnstigten im Ergebnis weniger oder keine Steuern zahlen mssen. Das lohnt vor allem bei groenVermgen. Auch Kettenschenkungen sind von Vorteil. Dabei wirdVermgenschrittweisedenKindern geschenkt. Mglich ist etwa, dass der eine Ehegatte dem anderen 500000 Euro steuerfrei schenkt und anschlieend beide Elternteile getrennt voneinander ihren Kinder 400000 Euro zukommen lassen. So profitieren die Beteiligten zweimal vondenFreibetrgen.

Wann Schenkungen zum Nachlass zhlen

Schenkungen sollten unbedingt dokumentiert werden - mit Namen der Beteiligten, dem Gegenstand der Schenkung, Datum sowie Unterschriften von allen Beteiligten. Das ist im Fall von Geld oder Gegenstnden auch formlos - also ohne Anwalt oder Notar - mglich. Durch die Schenkungen reduziert sich automatisch auch der Pflichtteil, der im Erbfall Angehrigenwieetwa Kindern zusteht, so Theiss. Aber aufgepasst: Schenkungen, die indenletzten zehn Jahren vor dem Tod des Schenkers veranlasst wurden, werden zum Nachlass gezhlt und erhhen sodenPflichtteilsanspruch. Dabei gibt es aber einen sogenannten Abschmelzungsfaktor von zehn Prozent, erlutert Theiss.

Stirbt der Schenker im ersten Jahr nach der Schenkung, bemisst sich der Pflichtteil am Gesamtwert des Nachlasses. Stirbt er im zweiten Jahr, beluft sich der Pflichtteil auf 90 Prozent des Vermgenswertes, im dritten Jahr 80 Prozent. Erst nach zehn Jahren ist die Schenkung frdenPflichtteil ohne Bedeutung. Eine Schenkung muss wohlberlegt sein, betont Theiss. Denn siekannnicht so ohne weiteres wieder rckgngig gemacht werden. Das ist, wenn berhaupt, dann nur in Ausnahmefllen, etwa bei grobem Undank mglich.

Eine Schenkung von Immobilien muss grundstzlich notariell beurkundet werden. Gut durchdacht sein sollte die Entscheidung, eine Immobilie, in der man selbst lebt,denKindern zu bertragen. Ab Eintragung ins Grundbuch ist der Schenker nicht mehr Herr im Hause, sagt Anja Hardenberg von der Stiftung Warentest in Berlin. Erkannes weder verkaufen noch als Kreditsicherung nutzen. Schenker sollten sich daher ein sogenanntes Niebrauchrecht sichern. Damit knnen sie nicht nur die verschenkte Immobilie weiter nutzen, sondern sie auch weiter vermieten - die Einnahmen gehren dem Inhaber des Niebrauchrechts.

Beim Verschenken von Immobilien sollte mglichst ein ausgefeilter bergabevertrag abgeschlossen werden, empfiehlt Hardenberg. Darinkannnicht nur das Niebrauchrecht vereinbart sein, sondern etwa auch ein Rckforderungsrecht. Wird zum Beispiel der Sohn insolvent, dann fllt das Haus an die Eltern zurck. Das verhindert die Zwangsvollstreckung der Immobilie durch die Glubiger des Sohns, so Hardenberg. Sie rt: Beim Erstellen des bergabevertrags sollten sich Immobilienbesitzer unbedingt juristisch beraten lassen.

szmtag